Vater der Liebe

Das Spiegelprinzip - Kapitel 15 - Agapest du Mich?

veröffentlicht Okt 31, 2023 in Die Liebe Gottes
Übersetzt von Franziska Bunkus, editiert von Jutta Deichsel
474 Treffer

Kapitel 15 - Agapest du Mich?

Eine der größten Schwierigkeiten, die Menschen mit dem Spiegelprinzip haben, ist, dass sie nicht verstehen können, warum Gott den Menschen ihre eigenen Gedanken zurückspricht. Warum sagt Er nicht einfach, was Er denkt?

Diese wichtige Frage drängt sich besonders in Situationen auf, in denen Menschen geplant haben, andere zu töten. Wie geht Gott mit ihnen um, besonders wenn es Menschen sind, die Gott kennen? Ein Beispiel, das diesbezüglich in der Bibel ausführlich behandelt wird, ist die Geschichte von Saul, dem ersten König von Israel. Er blamierte sich durch ein unbedachtes Gelübde und verlor das Vertrauen seiner eigenen Soldaten. Er glaubte, dass er sein Ansehen wiedergewinnen könnte, indem er einige der umliegenden Völker vernichtete und sich dadurch wieder mit Ruhm schmücken würde. Schauen wir uns an, wie Gott darauf reagierte, als Er angerufen wurde.

Sauls unüberlegtes Gelübde lautete, dass keiner seiner Soldaten essen sollte, bis er, Saul, sich an seinen Feinden gerächt hatte - das heißt, keiner durfte essen, bis Saul mit dem errungenen Sieg zufrieden war. Sein Sohn Jonathan wusste nichts von diesem Befehl und aß etwas Honig, um sich im Kampf zu stärken. Nach dem Sieg Israels waren die Männer so hungrig, dass sie sich über die Kriegsbeute hermachten und sogar blutiges Fleisch aßen, was gegen Gottes Gebote verstieß. Saul wollte den Krieg sofort fortsetzen und seine Feinde vollständig vernichten, doch der Priester schlug Saul vor, Gott zu fragen, was er tun solle.

Dann sagte er zu den Männern: »Kommt, wir wollen noch heute Nacht den Philistern nachjagen und sie ausplündern! Bis zum Morgengrauen soll keiner von ihnen mehr am Leben sein.«

Die Soldaten antworteten: »Tu nur, was du für richtig hältst!«

Doch der Priester wandte ein: »Lasst uns zuerst Gott fragen.«

So stellte Saul die Frage: »Soll ich den Philistern nachjagen? Wirst Du uns helfen, sie vollständig zu besiegen?« Doch dieses Mal gab Gott ihm keine Antwort.

Da rief Saul alle Truppenführer zu sich und sagte: »Irgendjemand muss heute Schuld auf sich geladen haben. Versucht herauszufinden, wer es war. (1. Samuel 14,36-38 HFA)

Wie in der Geschichte von der kanaanäischen Frau, die zu Jesus kam und Ihn um Hilfe für ihre kranke Tochter bat, war Gottes Antwort Schweigen. Dieses Schweigen bringt Sauls Gedanken noch deutlicher ans Licht. Der König sucht nun nach einer Sühne für das, was Gott zu missfallen scheint.

Saul war verärgert darüber, dass sein Sohn die Hauptrolle im Krieg gegen Israels Feinde übernommen hatte. Saul fürchtete um seine Krone, nachdem er sich törichterweise entschlossen hatte, die Rolle der Priester zu übernehmen und dem Herrn ein Opfer zu bringen, während er Gott um Rat fragte. Samuel war sehr betrübt, als er sah, was Saul tat, und sagte zu ihm, dass das Königreich von ihm genommen werde. Seit diesem Tag war Saul unruhig, launisch und misstrauisch gegenüber jedem, der eine Bedrohung für seinen Thron zu sein schien. Die Taten seines Sohnes könnten eine Bewegung im Volk auslösen, um Saul zu entthronen und stattdessen seinen Sohn einzusetzen. Sauls wahre Bosheit zeigt sich in seinen Worten, als er nach dem Grund sucht, warum Gott nicht zu ihm spricht.

Bei dem HERRN, der Israel geholfen hat, schwöre ich: Der Schuldige muss sofort sterben, selbst wenn es mein Sohn Jonathan wäre. Aber keiner aus dem Volk gab ihm eine Antwort. (1.Samuel 14,39 HFA)

In diesen Worten hallt das Echo vom Kreuz wider. Jonathan war völlig unschuldig an jeglichem Vergehen. Damit der König seine Probleme lösen konnte, war er bereit, seinen eigenen Sohn als Sühnopfer zu geben.

In ähnlicher Weise glaubt die christliche Welt, dass Gott Seine Probleme auf diese Weise löst: Er opfert Seinen erstgeborenen Sohn als Sühne für die Missstände in Seinem Reich. Die Auswirkungen sind weitreichend, aber damit wollen wir uns jetzt nicht befassen.

Der Herr lässt zu, dass sich Sauls Gedanken vollständig darin offenbaren, dass er das Los entscheiden lässt, wer schuld daran ist, dass Gott nicht zu ihm spricht.

Da ergriff Saul wieder das Wort: »Das ganze Heer soll sich auf der einen Seite aufstellen, Jonatan und ich auf der anderen.«

»Tu, was du für richtig hältst«, antworteten alle.

Dann betete Saul zum HERRN, dem Gott Israels: »O Herr, warum hast du heute nicht auf meine Frage geantwortet? Zeig uns, ob die Schuld bei mir und meinem Sohn Jonathan liegt. Wenn ja, dann lass uns das Los ›Urim‹ ziehen. Hat aber jemand von meinen Leuten gesündigt, so zeig uns das durch das Los ›Tummim‹.« Das Los fiel auf Saul und Jonathan, und das übrige Volk war freigesprochen.

Da sagte Saul: »Werft das Los jetzt auch noch zwischen mir und meinem Sohn.« Da traf es Jonathan.

»Was hast du getan?«, wollte Saul von ihm wissen.

Jonathan gestand: »Ich steckte die Spitze meines Stockes in eine Honigwabe und kostete von dem Honig. Das ist alles. Doch wenn es sein muss: Ich bin bereit zu sterben.«

»Ja, es muss sein!«, erwiderte Saul. »Gott soll mich schwer bestrafen, wenn ich dich für diese Tat nicht töten lasse.« (1.Samuel 14,40-44 HFA)

Israels Liebe zu Jonathan veranlasst sie, sich zusammenzuschließen, um den Wahnsinn des Königs zu verhindern.

Doch da schritten die Soldaten ein: »Jonatan, der Israel heute durch seinen mutigen Vorstoß gerettet hat, soll sterben? Niemals lassen wir das zu! So wahr der HERR lebt: Nicht ein einziges Haar soll ihm gekrümmt werden, denn er hat diesen Sieg heute mit Gottes Hilfe errungen.« So retteten die Israeliten Jonatan vor dem Tod. (1.Samuel 14,45 HFA)

Anstatt seinen Thron durch die Ermordung seines Sohnes zu sichern, hatte Saul durch sein törichtes Imponiergehabe nun das gesamte Volk gegen sich aufgebracht. Durch Jonathan hatte Saul seinen Herrschaftsbereich über die Philister zurückerobert, doch nun lief er Gefahr, die Herzen der Männer Israels zu verlieren. Er musste ihre Loyalität zurückgewinnen.

Während Saul König von Israel war, führte er Krieg gegen alle Feinde rings um Israel: gegen die Moabiter, die Ammoniter und die Edomiter, gegen die Könige von Zoba und gegen die Philister. In allen Feldzügen trug er den Sieg davon. Dabei bewies er sich als ein mutiger und fähiger Soldat. Auch die Amalekiter schlug er und konnte Israel so von den Feinden befreien, die das Land immer wieder überfallen hatten. (1.Samuel 14,47.48 HFA)

Saul hatte einen eindeutigen Beweggrund, die umliegenden Völker zu vernichten: er wollte den Respekt seines Volkes zurückgewinnen und seinen Thron bei ihnen sichern. Wenn ein solcher Mann bereit war, seinen eigenen Sohn umzubringen, um seinen Thron zu schützen, wie schwer würde es ihm dann fallen, die Söhne und Töchter eines feindlichen Volkes abzuschlachten?

Mit diesem Hintergrund macht Gott nun eine äußerst konfrontierende Aussage:

So spricht der HERR, der Herrscher der Welt: ›Ich will jetzt den Amalekitern vergelten, was sie Israel angetan haben. Sie versperrten ihm den Weg, als es aus Ägypten kam. Darum zieh gegen sie ins Feld und vernichte sie! Alles, was zu ihnen gehört, steht unter dem Bann. Darum töte ohne Erbarmen Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder, Schafe, Kamele und Esel.‹« (1.Samuel 15,2.3 GN)

Wenn man diesen Text außerhalb des Charakters Jesu liest, entsteht die entsetzliche Vorstellung, dass Gott, wenn nötig, das Abschlachten von kleinen Kindern befiehlt.

Da dies völlig im Gegensatz zum Charakter Jesu steht, ist es offensichtlich, dass hier der Spiegel am Werk ist. Das bringt den treuen Bibelstudenten dazu, weitere Hinweise dafür zu suchen, warum Gott dies geboten hat. In der Young's Literal Translation finden wir etwas Interessantes:

So spricht Jehova der Heerscharen: Ich habe nachgesehen, was Amalek Israel angetan hat, was er ihm auf den Weg gelegt hat, als es aus Ägypten auszog. Und nun geh hin, du hast Amalek geschlagen und alles, was er hat, dahingegeben, und du hast kein Erbarmen mit ihm und hast getötet vom Mann bis zur Frau, vom Kleinkind bis zum Säugling, vom Ochsen bis zum Schaf, vom Kamel bis zum Esel.' (1.Samuel 15,2.3 NLT)

Gott kannte Sauls Gedanken und legt sie ihm vor, indem Er ihm sagt, was in seinem Herzen ist. In diesen Worten findet Saul die Gewissheit, die er sucht, um seine ursprünglichen Pläne weiterzuverfolgen. Gott warnt Saul vor seinen eigenen Plänen, und Saul verdreht die Worte Gottes, damit sie seinen eigenen Vorstellungen entsprechen. Saul hörte Gottes Worte so, wie er sie hören wollte. Er war ein Hörer des Wortes, aber kein Täter (Jakobus 1,23).

Glauben wir wirklich, dass ein Mann, der bereit ist, seinen eigenen unschuldigen Sohn zu ermorden, um seinen Thron zu schützen, qualifiziert wäre, Gottes Werkzeug im Kampf gegen Seine Feinde zu sein? Wie kann das überhaupt Sinn machen?

Die Herausforderung bei den Worten zu Saul besteht darin, dass das Hebräische so mehrdeutig ist, dass die Worte unterschiedlich verstanden werden können. Die Frage ist: Warum hat Gott zugelassen, dass Er missverstanden wird? Hätte Er Saul die Sache nicht deutlicher sagen können, wo doch das Leben von so vielen kleinen Kindern auf dem Spiel stand?

Der Psalmist erklärt einen Teil des Problems, wenn er beschreibt, was Israel Gott immer wieder angetan hat:

Und sie versuchten Gott immer wieder und bekümmerten den Heiligen Israels (engl: beschränkten den Heiligen Israels). (Psalm 78,41 Schlachter)

Die Menschen halten Gott auf Distanz, was dazu führt, dass sie Seine Worte falsch verstehen und Ihm ihre eigenen Gedanken zuschreiben. Dadurch ist Gott in dem, was Er sagen und tun kann, beschränkt.

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist, als Jesus, der gerade auferstanden war, Petrus fragte, ob er Ihn liebe. Das war eine schwierige Frage für Petrus nach seiner schrecklichen Verleugnung während der Gerichtsverhandlung gegen Christus.

Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Jonas, liebst du Mich mehr als diese?

Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich Dich lieb habe! Er spricht zu ihm: Weide Meine Lämmer!

Wiederum spricht Er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Jonas, liebst du Mich? Er antwortete Ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich Dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe!

Und das dritte Mal fragt Er ihn: Simon, Sohn des Jonas, hast du Mich lieb? Da wurde Petrus traurig, dass Er ihn das dritte Mal fragte: Hast du Mich lieb?, und er sprach zu Ihm: Herr, Du weißt alle Dinge; Du weißt, dass ich Dich lieb habe.

Jesus spricht zu ihm: Weide Meine Schafe! (Johannes 21,15-17 Schlachter)

Im Verständnis des Alten Bundes scheint es, dass Jesus Petrus wegen seines schrecklichen Versagens zusetzt. Die Gerechtigkeit verlangt, dass Petrus damit konfrontiert werden muss, bis es weh tut; er muss für die Verleugnung eine kleine Demütigung einstecken. Wenn man bedenkt, wie treulos Petrus seinen Herrn verleugnet hat, empfindet man das Handeln Jesu als sehr barmherzig. Christus verletzt seinen Freund gewissenhaft, um ihn wieder in Seine Gunst zu bringen.

Bei näherer Betrachtung muss man jedoch feststellen, dass kein menschliches Wesen in der Lage ist, Jesus zu lieben. Wie wir in Kapitel vier herausgefunden haben, steht das menschliche Herz im Krieg mit Gott und Seinem Sohn. Wir sind es nicht, die nach Ihm suchen, geschweige denn Ihn lieben. Auch Johannes erinnert uns daran:

Wir lieben Ihn, weil Er uns zuerst geliebt hat. (1.Johannes 4,19 Schlachter)

Nur wenn wir glauben, dass Gott und Sein Sohn uns lieben, können wir anfangen, Ihnen mit Liebe zu antworten. Im Neuen Bund ist deshalb die Frage Jesu „Liebst du Mich?“ unmöglich, weil wir nichts Gutes tun können. Warum hat Jesus diese Frage dann gestellt?

Nachdem Petrus seinen Herrn verleugnet hat, war er zutiefst verzweifelt über sein Versagen. Er hatte gedacht, dass er Jesus liebte, aber sein Verhalten bewies das Gegenteil. Petrus zweifelte jetzt selbst daran, ob er Jesus wirklich so liebte, wie er behauptete. Darum ist die Frage Jesu an Petrus ein Spiegel dessen, was Petrus bereits dachte. Jesus begegnete Petrus dort, wo er war, und Petrus wurde durch sein eigenes Gericht gerichtet.

Petrus' Selbstzweifel machten ihn tatsächlich unfähig, Jesus die Antwort zu geben, auf die Er wartete. Die deutsche Übersetzung verdeckt das tiefere Problem, das sich zwischen Petrus und Jesus abspielt. Wir wollen das griechische Wort in die Texte einfügen, die wir zuvor zitiert haben, und werden etwas sehr Interessantes entdecken.

Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Jonas, liebst (agape) du Mich mehr als diese?

Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich Dich lieb (phileo) habe! Er spricht zu ihm: Weide Meine Lämmer!

Wiederum spricht Er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Jonas, liebst (agape) du Mich? Er antwortete Ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich Dich lieb (phileo) habe. Er spricht zu ihm: Hüte Meine Schafe!

Und das dritte Mal fragt Er ihn: Simon, Sohn des Jonas, hast du Mich lieb (phileo)? Da wurde Petrus traurig, dass Er ihn das dritte Mal fragte: Hast du Mich lieb?, und er sprach zu Ihm: Herr, Du weißt alle Dinge; Du weißt, dass ich Dich lieb (phileo) habe.

Jesus spricht zu ihm: Weide Meine Schafe! (Johannes 21,15-17 Schlachter)

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Agape und Phileo? Von Phileo stammt das Wort BruderliebeAgape bedeutet lieben, während Phileo bedeutet, ein Freund zu sein. Ein Freund kann Zuneigung empfinden und auch ein Gefühl der Verbundenheit wegen einer gemeinsamen Sache oder einer gemeinsamen Vergangenheit haben, aber Agape liebt unter allen Umständen. Die Strong's Konkordanz stellt die beiden Wörter folgendermaßen gegenüber:

phileō

Von G5384; ein Freund sein (für [eine Person oder einen Gegenstand] schwärmen), d.h. Zuneigung haben (persönliche Verbundenheit bezeichnend, als eine Angelegenheit des Gefühls oder der Empfindung; während G25 [agape] umfassender ist - besonders im Richten und der bewussten Zustimmung des Willens, als eine Angelegenheit des Prinzips, der Pflicht und des Anstands. Die beiden sind also sehr verwandt, wie G2309 und G1014, oder wie G2372 und G3563, wobei ersteres hauptsächlich das Herz und letzteres den Kopf betrifft); insbesondere küssen (als Zeichen der Zärtlichkeit): - Kuss, Liebe.

Phileo entspringt den Gefühlen, während Agape im Willen verankert ist. Man könnte sogar sagen, dass Agape die Quelle ist, aus der Phileo kontinuierlich aufrechterhalten werden kann. Unsere Gefühle sind wechselhaft und manchmal unbeständig. Agape sorgt dafür, dass sich unsere Liebe zu anderen nicht ändert, auch wenn sie uns verletzen oder sich gegen uns wenden.

Warum antwortete Petrus auf die Frage Jesu mit einem anderen Wort? Wenn Petrus nicht die feste Gewissheit hatte, dass Jesus eine unerschütterliche Agape-Liebe für ihn hatte, dann konnte er diese auch nicht an Jesus zurückgeben. Die Beständigkeit unserer Liebe zu Christus ist in der Gewissheit der unerschütterlichen Liebe Christi zu uns verankert.

Petrus' Verleugnungen ließen ihn daran zweifeln, ob Jesus ihn noch lieben konnte; er konnte Jesus nicht mit der Art von Liebe antworten, nach der Jesus ihn fragte. Natürlich wusste Jesus das, denn Er kannte das Herz von Petrus ganz genau, so wie Er unser aller Herz kennt.

Petrus empfand ein Gefühl der Verurteilung für das, was er getan hatte. Diese Verurteilung, die er sich selbst auferlegte, hinderte Petrus daran, die volle Agape Christi entgegenzunehmen, so dass er nicht in der Lage war, Christus die Agape zurückzugeben, die Er ihm entgegenbrachte.

Als Jesus Petrus zum dritten Mal fragte: „Phileost du Mich?“, fragte Er Petrus nicht einfach ein drittes Mal: „Liebst du mich?“, sondern Er fragte Petrus: „Begrenzt du Meine Liebe zu dir auf Phileo?“ „Liebst du Mich einfach nur wie einen Bruder? Siehst du in Mir nicht einen, der alles für dich gibt? Erkennst du nicht, dass Ich dich nicht für deinen Fehler verdamme? Wenn du das erkennen könntest, Petrus, dann würdest du wissen, dass Ich dich agape und das würde dir erlauben, Mich zu agapen.“

Diese Geschichte ist von enormer Bedeutung. Petrus' Selbstverurteilung beschränkte die Liebe Gottes auf Bruderliebe; eine Liebe, die durch Umstände verändert werden kann. Wenn wir Gottes Liebe auf diese Weise einschränken, dann verlieren wir Seine Agape aus den Augen. Beachte, was passiert, wenn wir die Agape verlieren.

Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe (Agape) hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. (1.Korinther 13,1 Schlachter)

Lasst uns das klarstellen: Wenn wir uns selbst oder andere verurteilen, ist Gottes Agape vor uns verborgen. Wenn wir also Gottes Agape zu uns nicht ergreifen können, können wir auch keine Agape zu Gott oder anderen haben. Unser Denken wird dann wie Erz oder Bronze (wie dieses Wort im Englischen übersetzt ist).

Das Faszinierende an Bronze ist, dass es das Metall ist, das im Vorhof des Heiligtums für den Opferaltar und das Waschbecken verwendet wurde. Das Becken wurde aus den bronzenen Spiegeln der Frauen Israels hergestellt.

Weiter machte Bezalel das Becken aus Bronze und seinen bronzenen Untersatz. Er fertigte beides aus den Bronzespiegeln der Frauen, die am Eingang des Heiligen Zeltes ihren Dienst verrichteten. (2.Mose 38,8 GN)

Bronze wurde von den Israeliten benutzt, um Spiegel herzustellen, in denen sie sich selbst sehen konnten. Das Interessante an dem Wort Spiegel im obigen Vers ist, dass dasselbe Wort auch Vision bedeuten kann.

H4759 mar'âh

weibliche Form von H4758; eine Vision; auch (kausal) ein Spiegel: - Schauglas, Vision

Achte auf das Wort, das im Buch Daniel Kapitel 8 für Vision verwendet wird:

Gleichzeitig hörte ich, wie eine Stimme vom Ulai-Kanal ihm zurief: »Gabriel, erkläre du ihm die Vision!« [H4758] (Daniel 8,16 HFA)

Steckt in diesem Wort Vision eine Botschaft? Könnten die Visionen der Propheten durch den hohen Bronzeanteil (Mangel an Agape) in ihrem Denken beeinflusst sein? Als die Propheten Daniel und Johannes auf Christus schauten, sah Daniel Seine Hände und Füße aus Bronze, aber um Seine Taille herum sah er Gold. Johannes sah nur die Füße von Christus als Bronze.

Als ich aufblickte, sah ich einen Mann, der ein weißes Leinengewand mit einem Gürtel aus feinstem Gold trug. Sein Leib funkelte wie ein Edelstein, Sein Gesicht leuchtete wie ein Blitz, und die Augen glichen brennenden Fackeln. Die Arme und Beine schimmerten wie polierte Bronze, und Seine Stimme war so laut wie die Rufe einer großen Menschenmenge. (Daniel 10,5.6 HFA)

Mitten zwischen ihnen stand einer, der wie ein Mensch aussah. Er hatte ein langes Gewand an, und um die Brust trug Er einen goldenen Gürtel. Seine Haare waren so hell wie reine Wolle, ja, weiß wie Schnee. Seine Augen leuchteten wie die Flammen eines Feuers, die Füße glänzten wie glühende Bronze im Schmelzofen, und Seine Stimme dröhnte wie das Tosen einer mächtigen Brandung. (Offenbarung 1,13-15 HFA)

Im Heiligtum sehen wir einen Vorhof mit einem Altar und einem Waschbecken aus Bronze, aber die Gegenstände im Heiligen und im Allerheiligsten sind entweder ganz aus Gold oder aus Akazienholz mit Gold überzogen. Die Fundamente des Tempels waren aus Silber.

Der Weg vom Vorhof zum Allerheiligsten ist eine Reise von Bronze zu Gold und Silber. In diesem Prozess sind wir eingeladen, uns von unserem bronzenen Denken läutern zu lassen.

Menschensohn, das Haus Israel ist mir zu Schlacken geworden! Sie alle sind wie Erz (Bronze), Zinn, Eisen und Blei im Schmelzofen; zu Silberschlacken sind sie geworden. (Hesekiel 22,18 Schlachter)

Auch die Propheten waren von diesem bronzenen Denken betroffen, aber Gott sprach durch ihr bronzenes (fehlendes Agape-) Verständnis, um uns Wahrheit zu übermitteln. Die Worte, die die Propheten durch Bronze sprachen, diagnostizieren unseren sündigen Zustand, während die Worte, die sie durch Gold sprachen, uns das Heilmittel geben. Die Fähigkeit, in ihren Schriften den Unterschied zwischen Bronze und Gold zu erkennen, offenbart sich im Charakter von Jesus.

So ist sogar direkt in dem Wort Vision das Prinzip des Spiegels enthalten! Die Integrität der Propheten wird dadurch nicht im Geringsten geschmälert, denn das Wort Gottes ist dazu da, sowohl unsere Sündhaftigkeit als auch Gottes Herrlichkeit zu offenbaren.

Achte auf die Reaktion Jesajas, als er die Herrlichkeit Gottes sah:

Es war in dem Jahr, als König Usija starb. Da sah ich den Herrn auf einem hohen, gewaltigen Thron sitzen. Der Saum Seines Gewandes füllte den ganzen Tempel aus. Er war umgeben von mächtigen Engeln, den Serafen. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zweien ihren Leib, und zwei brauchten sie zum Fliegen. Sie riefen einander zu: »Heilig, heilig, heilig ist der HERR, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.« Ihre Stimme ließ die Fundamente des Tempels erbeben, und das ganze Heiligtum war voller Rauch. Entsetzt rief ich: »Ich bin verloren! Denn ich bin ein Sünder und gehöre zu einem Volk von Sündern. Mit jedem Wort, das über unsere Lippen kommt, machen wir uns schuldig! Und nun habe ich den HERRN gesehen, den allmächtigen Gott und König!« (Jesaja 6,1-5 HFA)

Jesaja verurteilte sich selbst im Licht der Herrlichkeit Gottes. Aber wenn wir Gottes Herrlichkeit sehen und unsere völlige Verderbtheit fühlen, sollten wir darauf vertrauen, dass Gottes Gnade unsere Sündhaftigkeit übersteigt; wir können den Worten Jesu vertrauen: „Ich verurteile dich auch nicht; geh und sündige hinfort nicht mehr.“

Die Symbolik hier ist verblüffend. Wenn wir uns selbst oder andere verurteilen und dieses Urteil an die Stelle von Gottes Agape zu uns setzen, machen wir Gott unwissentlich zu unserem Ebenbild und stellen uns vor, dass Er so ist wie wir. Ein Akt der Verurteilung uns selbst oder anderen gegenüber löscht die Agape aus, und dann glauben wir, dass Gott einen Charakter hat, der verurteilt und zerstört, wie wir es tun.

Bleibt keinem etwas schuldig! Was ihr einander allerdings immer schuldet, ist Liebe (Agape). Wer nämlich seine Mitmenschen liebt, der hat Gottes Gesetz erfüllt. (Römer 13,8 HFA)

Wenn wir die Gewissheit von Gottes Agape haben, dann wird sie sich in der Erfüllung des Gesetzes Gottes zeigen. Wenn wir Gottes Gesetz übertreten, zeigt das, dass wir noch nicht glauben, dass Gott Agape für uns hat, sondern dass wir eine Bestrafung und möglicherweise den Tod verdient haben.

Wenn ihr aber nicht auf den HERRN, euren Gott, hört und Seine Gebote und Weisungen, die ich euch heute verkünde, nicht befolgt, wird nicht Sein Segen, sondern Sein Fluch über euch kommen: Missgeschick wird euch verfolgen in der Stadt und auf dem Feld, Korb und Backtrog werden leer bleiben, eure Kinder werden dahinsterben und die Äcker Missernten bringen, eure Rinder, Schafe und Ziegen werden sich nicht vermehren. Unglück wird euch begleiten, wenn ihr auszieht und wenn ihr wieder heimkehrt. Der HERR wird einen Fluch auf euer Tun legen; Er wird euch so verwirren, dass euch nichts mehr glücken wird. Weil ihr den HERRN mit euren bösen Taten beleidigt und euch von Ihm abgewandt habt, wird es in kürzester Zeit mit euch zu Ende sein. Der HERR wird euch die Pest schicken, Er wird euch mit Schwindsucht, Entzündung und Fieber heimsuchen und eure Ernten durch Dürre und Schädlinge vernichten, bis niemand mehr von euch übrig ist in dem Land, das ihr jetzt in Besitz nehmen wollt. Der Himmel über euch wird wie eine bronzene Glocke sein und die Erde unter euren Füßen hart wie Eisen. (5.Mose 28,15-23 GN)

Gott sagt uns im 5. Buch Mose, dass, wenn wir Seine Gebote brechen, der Himmel über uns zu Bronze wird. Das bedeutet, dass wir Gott als ein Spiegelbild von uns selbst wahrnehmen. Wir in unserer fleischlichen Natur sind es, die uns selbst oder anderen nicht vergeben, und wir denken, dass Gott genau so ist wie wir.

Das hast du getan, und Ich habe geschwiegen; da meintest du, Ich sei gleich wie du. Aber Ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen! (Psalm 50,21 Schlachter)

Gott sagt uns, dass wir denken, Er sei gleich wie wir. Die Ursache dafür ist, dass wir nicht glauben, dass Gott uns agapen kann, weil wir uns selbst als bestrafungswürdig ansehen.

In genau demselben Kapitel, in dem Jesus Petrus fragt, ob er Agape für Ihn hat, offenbart sich Johannes, der Verfasser dieses Evangeliums, als der Jünger, den Jesus liebte.

Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte (agape), der sich auch beim Abendmahl an Seine Brust gelehnt und gefragt hatte: Herr, wer ist’s, der Dich verrät? (Johannes 21,20 Schlachter)

Johannes offenbart die Antwort auf Petrus' Dilemma. Johannes glaubte, dass Jesus ihn liebte. Johannes hatte Jesus auch verlassen (Matthäus 26,56), aber er nahm die vergebende Liebe Jesu an und glaubte nicht, dass Jesus ihn dafür verurteilte. Deshalb konnte Johannes Jesus mit Agape-Liebe antworten. Wie Johannes in seinem Brief sagt: „… wir lieben Ihn, weil Er uns zuerst geliebt hat“ (1.Johannes 4,19).

Hier finden wir den Hauptgrund, warum Männer und Frauen die Wahrheit über Gottes Charakter nicht erkennen können. Die Verurteilung, mit der sie sich selbst oder andere beurteilen, hindert sie daran, die Agape Gottes anzunehmen, genau wie Petrus. Sein eigenes Urteil über seine Situation beschränkte die Liebe Jesu zu ihm und verbarg vor Petrus die wahre Liebe, die Jesus für ihn hatte.

Diese Geschichte hilft uns zu verstehen, warum Männer wie Saul Gottes Worte missverstanden haben. Sauls Verurteilung seines Sohnes infolge seiner Selbstverurteilung für sein früheres Versagen brachte ihn dazu, Gottes Wort nicht korrekt zu hören. So wie Jesus Petrus seine eigenen Gedanken aussprach, um dieses Problem an die Oberfläche zu bringen, so tat Gott dasselbe mit Saul und brachte seine mörderischen Gedanken an die Oberfläche. Da Saul sie hörte, ohne Gottes Agape zu kennen, konnte er in diesen Worten nur eine Bestätigung seiner eigenen Charaktereigenschaften erkennen. Wie Jakobus erklärt, lesen diejenigen, die das Wort Gottes hören, es aber nicht befolgen, darin einen Spiegel ihrer selbst.

Obwohl Saul den wahren Charakter Gottes nie kennenlernte, gelangte Petrus jedoch vor seinem Tod glücklicherweise von einfacher Phileo zu Agape. Wie er in seinem Brief schreibt:

... so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe (Phileo), in der Bruderliebe aber die Liebe (Agape). (2.Petrus 1,5-7 Schlachter)

Petrus überwand seine Selbstverurteilung, indem er die vollständige Agape Gottes durch Christus annahm. Dadurch konnte er seiner Phileo die Agape, hinzufügen.

Werden wir dasselbe tun? Wenn nicht, werden wir nur wie tönendes Erz (Bronze) sein; Gott scheint so wie wir zu sein, und wir werden die Bibel lesen und denken, Gott sei so wie wir. Der Schlüssel, um die Wahrheit über Gottes Charakter zu glauben liegt darin, zu akzeptieren, dass alle deine Sünden frei vergeben sind und dass Gott dich nicht verurteilt, sondern absolute Agape für dich empfindet. Bist du der Jünger, den Jesus liebt, oder zweifelst du daran, dass Gott dich lieben kann, weil du dich selbst für deine Sünden verurteilst? Deine Entscheidung verändert radikal, wie du die Bibel liest und wie du Gott siehst.

 

 

Wir werden die weiteren Kapitel dieses Buches nach und nach veröffentlichen, sobald sie fertig übersetzt sind.

Das englische Original: Mirror Principle

Anmerkung: 

Der Autor Adrian Ebens hat in seinem neuen Buch „Das Spiegelprinzip“ (Mirror Principle) vorwiegend die englische Bibelübersetzung „New Living Translation (NLT)“ benutzt. Um dem in unserer deutschen Übersetzung zu entsprechen, haben wir vorwiegend aus den deutschen Bibelübersetzungen „Hoffnung für Alle“ und aus der „Gute Nachricht Bibel 2018“ zitiert, und auch einige andere Bibelübersetzungen benutzt. Die jeweils benutzte Version ist immer hinter der Bibelvers-Angabe angeführt.

Abkürzungen:

HFA – Hoffnung für Alle

GN – Gute Nachricht Bibel 2018)

Schlachter – Schlachter 2000